(26.06.2010) iPhone: US-Politiker verlangen Auskunft über gesammelte Daten
Apple muss Auskunft über seine neue Datensammelpraxis für das iPhone geben. Zwei Mitglieder des US-Repräsentantenhauses haben CEO Steve Jobs einen Katalog mit zehn Fragen zugesandt, die bis zum 12. Juli beantwortet werden sollen. Die Politiker sehen die Privatsphäre der US-Kunden von Apple in ernster Gefahr. Apple droht zum neuen Facebook zu werden.
Am Montag hatte Apple zusammen mit dem neuen Betriebssystem für das iPhone von allen Kunden eine erweiterte Zustimmung verlangt, präzise Standortdaten der Nutzer speichern und die Daten auch an Dritten weiterleiten zu können. Die Mitglieder des US-Repräsentantenhauses Edward Markey, Demokrat aus Massachusetts, und Joe Barton, Republikaner aus Texas, haben jetzt in einem Schreiben an Apple CEO Steve Jobs detaillierte Angaben darüber verlangt, was Apple an Daten sammelt und was man damit vorhabe.
„Angesichts der beschränkten Möglichkeiten der Apple-Kunden diesen neuen Bedingungen zu widersprechen und trotzdem die volle Funktionsfähigkeit ihrer Produkte nutzen zu können, sind wir besorgt über die möglichen Konsequenzen für die Privatsphäre der Apple-Kunden“, heißt es auf der Webseite von Edward Markey. Apple müsse erklären, welche Produkte überhaupt betroffen sein werden, welche Daten genau erhoben würden, welche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden seien, um Datenmissbrauch zu verhindern und wofür genau die Informationen genutzt werden sollen.
Zuvor hatten sich auch in Deutschland zahlreiche Datenschützer kritisch über das Geschäftsgebaren Apples geäußert. Apple-Kunden können einzelnen Teilen der Nutzungsbestimmungen nicht widersprechen und sind lediglich in der Lage, Ortungsdienste generell zu deaktivieren. Dadurch wird der Gebrauchswert des teuren Smartphones jedoch deutlich eingeschränkt. Selbst dann ist noch unklar, ob auch Apple selbst aufhört, Daten zu sammeln.
Die US-Öffentlichkeit zeigt sich nach zahlreichen Problemen mit mangelhaftem Datenschutz bei Social Media Webseiten wie Facebook oder Myspace zunehmend sensibilisiert für die Thematik Privatspähre. Massiv in die Kritik geraten war zuletzt Google, die mit ihren Street-View-Kamerafahrzeugen nicht nur Straßen fotografiert, sondern nebenbei noch die Standortdaten hunderttausender WLAN-Hotspots ausspioniert hatten. Google beteuert, dass es sich um einen Fehler gehandelt habe und hat die Löschung der Daten angeboten.
Apple führt gleichzeitig mit dem neuen iPhone4 sein Werbenetzwerk iAd ein, das zielgenau positionierte Werbung an Apple-Kunden schicken soll. Je mehr Daten Apple und seine Werbekunden dafür zur Verfügung haben, umso genauer können sie die Vorlieben des Nutzers ermitteln. Gerade bei Mobiltelefonen, die durch ihre Mobilfunknummer und die dahinter liegenden Vertragsdaten eindeutig einem Individuum zuzuordnen sind, sind deshalb die Anforderungen an den Datenschutz besonders hoch. Eine Webseite, auf der sich iPhone-Kunden vom Werbedienst iAd abmelden können, liefert ebenfalls keine Klarheit, was im Hintergrund geschieht.
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